Turbofolk: Soundtrack zum Verfall Jugoslawiens | Popkultur zwischen Nationalismus und Widerstand

Turbofolk: Soundtrack zum Verfall Jugoslawiens | Popkultur zwischen Nationalismus und Widerstand

Diskussion mit Sonja Vogel und Rüdiger Rossing anlässlich der Veröffentlichung des Buchs „Turbofolk - Soundtrack zum Zerfall Yugoslawiens“.

Die Veranstaltung ist kostenlos. Anmeldung bitte über eventbrite.

Als „Sound des Krieges“ oder „Sound der ethnischen Säuberungen“ wird Turbofolk oft bezeichnet. Bis heute hat das Musikgenre, das in den 90er-Jahren in Serbien populär wurde, einen schlechten Ruf, ist aber gleichzeitig in fast allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens extrem beliebt. An allen nur erdenklichen Orten, in Restaurants und auf Familienfeiern hämmern die aggressiven Techno-Beats mit ihren orientalischen Thrillern aus den Boxen. Turbofolk ist mehr als nur ein Musikgenre, es ist eine Kultur.

In ihrem aktuellen Buch „Turbofolk – Soundtrack zum Zerfall Jugoslawiens“ nennt die Autorin Sonja Vogel ihn eine Haltung. Sie beschäftigt sich mit seiner Herkunft und Funktion, mit der Leerstelle, die er ausgefüllt hat, mit dem übersteigerten Nationalismus, den er befördert hat und ohne den er undenkbar ist, mit den Jugoslawienkriegen und nicht zuletzt mit seiner Ästhetik und seinen Wirkungen vor allem auf die serbische Gesellschaft bis heute.

Rüdiger Rossig ist taz-Redakteur und Autor und hat sich in seinem Buch „Ex-Yugos“ mit der Popkultur und den Rockszenen in Belgrad, Sarajewo, Ljubljana und Zagreb beschäftigt. Seit mehr als 20 Jahren berichtet er über den Balkan und ist ein profunder Kenner der Subkulturen des ehemaligen Yugoslawiens.

Anhand (post-)jugoslawischer Popkultur wollen Sonja Vogel und Rüdiger Rossig diskutieren, wie sich gesellschaftliche Entwicklungen und Brüche von den 70ern bis heute nachvollziehen lassen. Welche Rolle spielt das Wegbrechen alternativer Strukturen (Rossig)? Welche Rolle spielt die Musik bei der Transition von der jugoslawischen zur serbischen Gesellschaft (Vogel)?

Über all das spricht Sonja Vogel bei n-ost zusammen mit Rüdiger Rossig. Moderiert wird die Veranstaltung von ostpol-Redakteur Nils Bröer.

Motiv: © Vladislava Djuric